Ein ganz normaler Samstag

Aufwachen. Oh mei. Neben mir liegt ein Mann. Wie heißt er? Was war gestern? Keine Ahnung. Ich fühle mich benommen, mir ist schlecht, ich habe Kopfschmerzen.
Neben dem Bett stehen eine halbvolle Flasche Wein und ein Glas. Ich gieße mir ein und trinke. Besser.
Ich wecke den Mann, sage unfreundlich „Guten Morgen“ und werfe ihn hinaus, ohne ihm Kaffee anzubieten. Uff.
„Reparaturseidl“, so nennt man es, wenn man am Morgen zur Katerbekämpfung ein kleines Bier trinkt. Dann fühlt man sich viel besser. Die Kunst dabei ist, das Trinken nach diesem Reparaturseidl sein zu lassen. Ich mag Bier nicht, und ich habe diese Kunst nie beherrscht. Ich trinke Reparaturachtel, und bei einem Achtel bleibt es nie. Ich schütte den Rest Wein ein, trinke. Ein Blick auf die Uhr: viertel nach zehn.
Kurze Morgentoilette, anziehen, einkaufen. Wieder zu Hause – Zeitung lesen, weitertrinken. Irgendwann am frühen Nachmittag lege ich mich nochmals ins Bett, irgendwann am späten Nachmittag wache ich wieder auf. Noch ein Glas Wein.
Ein weiteres Glas Wein. Ich schiebe eine Tiefkühlpizza ins Backrohr, esse. Was soll ich heute Abend anziehen? Das silberne Trägerleibchen ohne BH, dazu den schwarzen Minirock. Die schwarzen Stöckelschuhe, schwarze Seidenstrümpfe, eh klar, ein bisschen Make-Up, ein bisschen Schmuck, hochgesteckte Haare, fertig. Ausgehen, aufreißen, vögeln, schlafen.
Es ist ein ganz normaler Samstag.