Vom Sinn des Lebens (II)

Vorsicht, schwer verträglich!

Ja, mein Herr, schon immer habe ich gern geschissen. Ich mag das Gefühl, wenn sich eine Scheißwurst in den Dickdarm drängt und das Gefühl, zur Toilette zu müssen, langsam dringlicher wird.
Schon immer habe ich auch gerne gefurzt. Ich mag das Gefühl, wenn sich die Luft blubbernd durch den Darm vorarbeitet, bis man den Furz am Darmausgang warten spürt. Ein leichtes Entspannen des Schließmuskels – wird es ein Geräusch geben oder nicht? Und der besondere Genuß: der Geruch. Durchdringend-schwefelig oder abgestanden-faulig? Ist es der Bote von einem Weichschiß oder ist man etwas hartleibig? Ist es ein mehrteiliger Furz oder ein langes „Pffft“?
Schon immer saß ich gerne auf der Klomuschel und spürte, wie sich die Wurst aus meinem Körper löste, immer länger hängt sie aus meinem Arschloch in die Muschel. Dann erreicht sie den Boden der Kloschüssel und legt sich leicht gekrümmt dort ab. Kennen Sie dieses befriedigende Gefühl, diese Befreiung, mein Herr? Manchmal setze ich auch zwei solcher Würste ab, manchmal mehrere hellbraune, dünne. Sehr gern mag ich auch die Würste, die am Anfang knollig, am anderen Ende jedoch weich und cremig sind und spitz zulaufen. Wenn es mir schon am Morgen gelingt, eine solche Wurst abzusetzen, und vielleicht noch eine „Nachwurst“ (so nenne ich die Würste, die nach der Hauptwurst kommen und auf die ich breitbeinig dasitzend noch eine Weile warten muß) – dann wird dieser Tag gelingen. Wenn ich dagegen nur eine kleine Wurst auf der Toilette eines Kaffeehauses lassen kann, wo man ungemütlich sitzt (und oft haben diese Klos statt dem geraden Boden eine abgeschrägte Fläche – wie ich diese Klomuscheln hasse!) – dann sinkt meine Laune sofort. Gern mag ich es auch, wenn ich – nachdem ich einen Tag lang nicht scheißen konnte – am nächsten Tag durch eine volle Schüssel belohnt werde.
Pissen macht mir auch manchmal Freude – aber Scheißen ist meine Leidenschaft. Deshalb habe ich auch einen Verein gegründet – den „Verein der genießenden Scheißer“. Wir treffen uns heimlich jeden Mittwochabend. Jeder Teilnehmer trägt eine Maske. In unserem Vereinsheim stehen statt der Stühle Klomuscheln; wir lassen die Hosen oder heben die Röcke, setzen uns hin – und scheißen um die Wette. Nach einer halben Stunde wird die schönste Wurst prämiert. Sie würden es gar nicht glauben, mein Herr, wer alles zum Wettscheißen kommt: dicke Geschäftsmänner im Anzug, biedere Sekretärinnen und Lehrerinnen im Faltenrock, elegante Damen, ja sogar Jugendliche in zerrissenen Jeans, Menschen jeden Alters und jeder Gesellschaftsschicht, vom prominenten Politiker bis zum Pensionisten. Wie ich das wissen will, fragen Sie? Ganz einfach, mein Herr: ich bin der Registrator des Vereins. Jedes neue Mitglied muß sich bei mir anmelden, einen amtlichen Ausweis mitbringen und den Treueeid schwören. Jeder muß sich verpflichten, Stillschweigen über unsere Treffen zu bewahren. Nur ich habe den Eid nie abgelegt. Wem sollte ich auch schwören? Ich bin ja gleichzeitig auch der Vorsitzende des Vereins, niemand steht dort über mir, ich bestimme den Ablauf. Wem sollte ich mich also verpflichten?
Wenn ich am Wettscheißen teilnehme, so geschieht das selbstverständlich außer Konkurrenz. Ich sitze dann auf einer vergoldeten Klobrille, meine Klomuschel steht auf einem Podest. Habe ich den Schiß beendet, applaudieren alle Anwesenden. Dann setzt ein auserwähltes Mitglied eine kleine Krone auf meine Wurst. Zum Abschluß lassen alle einen Furz… aber mein Herr, warum gehen Sie denn? Moment! Mein Herr, so warten Sie doch!